MENS und NMES: Zwei Verfahren der Elektrotherapie

MENS und NMES nutzen niederfrequente Ströme, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze: Die Mikrostromtherapie (MENS) arbeitet mit kaum wahrnehmbaren Strömen und setzt auf Zellebene an. Die neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) aktiviert gezielt die Muskulatur. Hier erfahren Sie, wie sich beide Verfahren unterscheiden und wann sie eingesetzt werden.

MENS: Mikrostromtherapie

Die Mikrostromtherapie (MENS, Microcurrent Electrical Neuromuscular Stimulation) arbeitet mit extrem schwachen, niederfrequenten Strömen im Mikroamperebereich. Diese sind rund tausendmal schwächer als die Ströme der klassischen Elektrotherapie und liegen in der Regel unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Anwendung ist deshalb meist nicht spürbar.

Die Mikroströme orientieren sich an den körpereigenen bioelektrischen Signalen. Ziel ist es, den Zellstoffwechsel und die zelluläre Energieproduktion anzuregen und so die natürlichen Regenerationsprozesse des Gewebes zu unterstützen.

NMES: Neuromuskuläre Elektrostimulation

Die neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) nutzt niederfrequente Stromimpulse im Milliamperebereich, um über die Nerven gezielt Muskelkontraktionen auszulösen. Die Impulse werden über Elektroden auf der Haut abgegeben. Die Intensität wird so eingestellt, dass ein deutliches Kribbeln und eine sichtbare oder spürbare Muskelanspannung entstehen.

Die NMES wird eingesetzt, um Muskeln gezielt zu aktivieren und zu trainieren. Das kann den Erhalt und Aufbau von Muskelkraft unterstützen, zum Beispiel in der Rehabilitation oder wenn Muskeln nur eingeschränkt beansprucht werden können.

MENS und NMES: Der Unterschied

MENS und NMES sind beides Formen der Niederfrequenztherapie. Um sie voneinander abzugrenzen, sind zwei Eigenschaften von Strom wichtig:

• Frequenz: Sie gibt an, wie oft der Strom pro Sekunde die Richtung wechselt oder einen Impuls abgibt. Sie wird in Hertz (Hz) gemessen.
• Stromstärke: Sie gibt an, wie viel Strom fließt. Sie wird in Ampere (A) gemessen.

Bei der Frequenz überschneiden sich beide Verfahren: Sie arbeiten im niederfrequenten Bereich, die Mikrostromtherapie fast ausschließlich zwischen 0,1 und 1.000 Hz.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Stromstärke: Die NMES arbeitet im Milliamperebereich (Tausendstel Ampere) und löst damit spürbare Muskelkontraktionen aus. Die MENS nutzt dagegen Ströme im Mikroamperebereich (Millionstel Ampere), die in der Regel nicht spürbar sind und keine Muskelkontraktion auslösen.

Rueckenschmerz

Wann welches Verfahren?

Welches Verfahren infrage kommt, hängt vor allem vom Therapieziel und von den individuellen Beschwerden ab.

NMES kann infrage kommen, wenn Muskulatur aktiviert oder gekräftigt werden soll:

Nach Operationen oder Verletzungen: wenn sich die Muskulatur nach einer Ruhigstellung, zum Beispiel des Knies, zurückgebildet hat
Bei abgeschwächten Muskelgruppen: zur gezielten Kräftigung, zum Beispiel im oberen Rücken
Ergänzend zum Training: um zusätzliche Reize für die Muskulatur zu setzen

MENS kann infrage kommen, wenn die natürliche Regeneration des Gewebes unterstützt werden soll:

Bei Überlastungsbeschwerden: zum Beispiel an Sehnen, Muskeln oder Gelenken
Nach Sportverletzungen: zum Beispiel nach Zerrungen oder Prellungen
Wenn eine nicht spürbare Anwendung gewünscht ist: da die Ströme in der Regel unter der Wahrnehmungsschwelle liegen

Anwendung

Bei beiden Verfahren werden die Impulse über Elektroden abgegeben, die auf die Haut aufgeklebt werden. Anschließend wird das passende Programm gewählt und die Intensität eingestellt. Anwendungsdauer und Häufigkeit richten sich nach der ärztlichen oder therapeutischen Empfehlung und der Gebrauchsanweisung.

• NMES: Die Intensität wird langsam gesteigert, bis eine deutliche, aber angenehme Muskelanspannung entsteht. NMES muss gezielt den Verlauf der Muskelfasern und die motorischen Punkte treffen (dort, wo der Nerv in den Muskel eintritt). Bei überkreuzten Kanälen fließt der Strom quer durch das Gewebe, statt den Muskel der Länge nach zu kontrahieren – das mindert den Effekt und fühlt sich unangenehm an. Die Elektroden eines Kanals werden daher parallel entlang des Muskelstrangs platziert: eine am Muskelursprung, die andere auf dem Muskelbauch.

• MENS: Die Stromstärke ist so gering, dass Sie in der Regel nichts spüren. Das bedeutet nicht, dass das Gerät nicht arbeitet. Bei Schmerzen oder Entzündungen ist die überkreuzte Anordnung (X-Anordnung) sehr häufig die beste Methode, weil der Strom das betroffene Gewebe (z. B. ein Gelenk oder eine Sehne) komplett durchfluten soll. Die beiden Elektroden von Kanal 1 werden diagonal zueinander platziert, die beiden Elektroden von Kanal 2 ebenfalls. Das schmerzhafte Areal liegt genau im Schnittpunkt des „X“.